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11. März 2026 Staatsbürgerschaftsrecht: Doppelte Staatsbürgerschaft in der Schweiz – Was sind die Regeln

In einer Welt, die von zunehmender globaler Mobilität und transnationaler Lebensweise geprägt ist, gewinnt die doppelte Staatsbürgerschaft zunehmend an Bedeutung. Seit dem 1. Januar 1992 ist sie in der Schweiz uneingeschränkt zulässig. Schweizer behalten ihr Bürgerrecht, auch wenn sie eine weitere Staatsangehörigkeit annehmen, es sei denn, der andere Staat verlangt den Verzicht darauf. Doch welche Chancen und Herausforderungen bringt dieses Recht mit sich? Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Regeln sowie die Vor- und Nachteile der doppelten Staatsbürgerschaft in der Schweiz.

Verbreitung der doppelten Staatsbürgerschaft

Im Jahr 2024 hatten 21% der ständigen schweizerischen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren eine Doppelbürgerschaft. Davon haben 65% die Schweizer Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung erworben, während 35% sie bei Geburt erhielten. Besonders häufig sind Kombinationen mit der italienischen, französischen oder deutschen Staatsangehörigkeit.

Vorteile der doppelten Staatsbürgerschaft

Die doppelte Staatsbürgerschaft bietet zahlreiche Vorteile. In der Schweiz gelten Schweizer Doppelbürger als Inländer, und geniessen sämtliche Rechte wie Aufenthalts-, Arbeits-, Eigentums- und politische Rechte, ohne migrationsrechtliche Hürden. Im Folgenden werden einige Beispiele für diese Vorteile näher beleuchtet.

  • Ein wesentlicher Vorteil ist die erweiterte politische Teilhabe. Doppelbürger können unter Umständen in mehreren Staaten an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Laut Art. 16 Abs. 1 Auslandschweizergesetz dürfen Auslandschweizer an eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen sowie eidgenössische Initiativ- und Referendumsbegehren unterzeichnen. In Bezug auf kantonale und kommunale Wahlen und Abstimmungen bleibt jedoch das kantonale Recht entscheidend. Diese Mehrfachbeteiligung wird allerdings hinsichtlich der Wahlrechtsgleichheit, einer möglichen Privilegierung und möglichen Loyalitätsfragen auch kritisch diskutiert.
  • Darüber hinaus bringt die doppelte Staatsbürgerschaft praktische Vorteile im Alltag mit sich. Sie kann den Zugang zu Arbeitsmärkten erleichtern, Aufenthaltsrechte sichern und visafreies Reisen in mehreren Staaten ermöglichen.
  • Zusätzlich eröffnet sie wirtschaftliche Flexibilität, da die Person ein Unternehmen in einem Land mit günstigeren Rahmenbedingungen gründen oder die Verlegung ihres Wohnsitzes in einen Staat mit vorteilhafterem Steuersystem erleichtern kann, um ihre Steuerlast zu optimieren.

Nachteile der doppelten Staatsbürgerschaft

  • Im Bereich der Militärdienstpflicht unterstehen in der Schweiz wohnhafte Doppelbürger grundsätzlich der Schweizer Wehrpflicht. Der Eintritt in fremden Militärdienst ist nach Art. 94 Abs. 1 Militärstrafgesetz strafbar, ausser es handelt sich um Doppelbürger, die im Staat ihrer zweiten Staatsangehörigkeit niedergelassen sind und dort ihren Dienst leisten (Abs. 2). Wenn der Militärdienst bereits im Ausland erbracht wurde, entfällt die Dienstpflicht in der Schweiz, es kann jedoch Wehrpflichtersatz geschuldet sein. Die bilateralen Abkommen sehen teilweise Ausnahmen vor.
  • Steuerrechtliche Nachteile können insbesondere für Doppelbürger mit US-Staatsangehörigkeit entstehen, da die USA ihre Staatsbürger unabhängig vom Wohnsitz besteuern. Dies kann für in der Schweiz lebende Personen zu erheblichen steuerlichen und administrativen Belastungen führen.
  • Doppelbürger erhalten grundsätzlich denselben konsularischen Schutz wie Schweizer Staatsangehörige ohne zusätzliche Staatsbürgerschaft. Befinden sie sich jedoch im Land ihrer zweiten Staatsangehörigkeit, kann der Schutz eingeschränkt sein (Art. 39 Abs. 3 Auslandschweizergesetz). Bei schweren Menschenrechtsverletzungen bleiben konsularische und gegebenenfalls diplomatische Interventionen möglich.
  • Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten kann seine Leistungen für Personen mit mehrfacher Staatsangehörigkeit einschränken. Auslandschweizer mit mehrfacher Staatsangehörigkeit erhalten in der Regel keine Sozialhilfe von der Schweiz, wenn ihre ausländische Staatsangehörigkeit als vorherrschend gilt (vgl. Art. 25 Auslandschweizergesetz).
  • Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass nur Doppelbürgern das Schweizer Bürgerrecht entzogen werden kann, auch wenn hierfür sehr hohe Hürden bestehen. Nach Art. 42 Bürgerrechtsgesetz ist ein Entzug möglich, wenn ihr Verhalten den Interessen oder dem Ansehen der Schweiz erheblich schadet. Durch diesen Entzug würde eine Ausweisung aus der Schweiz möglich.

Meldepflichten und freiwillige Entlassung aus dem Bürgerrecht

Auslandschweizer, die eine zusätzliche Staatsangehörigkeit erwerben, müssen dies der Schweizer Vertretung melden. Gleichzeitig können Schweizer Bürger, die eine andere Staatsangehörigkeit besitzen und keinen Wohnsitz mehr in der Schweiz haben, die Entlassung aus dem Schweizer Bürgerrecht beantragen.

Fazit

Die doppelte Staatsbürgerschaft, die seit 1992 in der Schweiz uneingeschränkt zulässig ist und mittlerweile von über einem Fünftel der Bevölkerung getragen wird, bietet viele Vorteile. Dazu zählen der erleichterte Zugang zu Arbeitsmärkten und die wirtschaftliche Flexibilität. Gleichzeitig sind jedoch auch potenzielle Nachteile und Pflichten zu beachten, insbesondere im Hinblick auf die Militärdienstpflicht und steuerliche Verpflichtungen. Eine Auseinandersetzung mit den rechtlichen Aspekten ist wichtig, um die Chancen der doppelten Staatsbürgerschaft vollumfänglich zu nutzen und rechtliche Herausforderungen zu bewältigen.

Autoren: Aurissa Lier, Tania El Khoury

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